Besuch auf XENOS V
Hallo, mein Name ist XENOS V, ich bin der 3.Planet von rechts im Andromedasystem. Ich möchte Euch eine Geschichte erzählen. Eine kleine Episode aus meinem kurzen Leben. Ich bin erst 2,365 Millionen Jahre alt.
Es begab sich zu jener Zeit vor 1560 Jahren, kurz nach meinem Geburtstag. Ein plötzlicher Lichtstrahl war am hinteren Horizont auf meiner Ostseite zu sehen. Ein Etwas, das aussah wie einer der großen Steine auf meiner Oberfläche. Das Hinterteil leuchtete wie eine Sternschnuppe. Plötzlich überkam mich eine Angst, das könnte einer dieser Meteoriten sein, die mir immer diese großen Löcher in meine Planetenoberfläche schlagen. Dann kann ich wieder tausende Jahre abtragen und anhäufeln, immer wieder abtragen und anhäufeln. Diese fade Abtragerei, damit alles wieder schön natürlich wirkt. Damit die Zentralsonne bei der nächste Inspektion zufrieden ist. Gerade als ich so in meine Gedanken versunken war und ein bisschen ein Synapsenfeuerwerk aus meinen Vulkankratern sprühen lies, spürte ich einen kleinen Piecks auf der gerade dunklen Seite meiner Oberfläche. Aha also doch ein Meteorit, dachte ich, wenn auch ein sehr kleiner, wie er sich anfühlte. Aber trotzdem, ein Löchlein hat er sicher geschlagen, Minimum fünfhundert Jahre Arbeit.
Ich seufzte. Ok, ich richtete mein Bewusstsein auf die Piecksstelle und sah ein glänzendes Silberdings auf dem Boden liegen. Also eines wusste ich absolut sicher, dass das kein Meteorit war. Aber was zum Teufel ist das dann. Da entstand eine Öffnung aus der ein bisschen Licht kam. Eine winzige Öffnung, sehr winzig sogar. Beinahe hätte ich sie übersehen. Mein Interesse war geweckt, endlich nach Millionen von Jahren war einmal etwas los auf meiner Oberfläche. Ich fokussierte auf den Lichtpunkt hin. Wow, unglaublich, sensationell, da kamen kleine zweibeinige Wesen heraus. Das gibt’s doch gar nicht, wunderbar, mein Lavakern hüpfte vor Freude und meine Oberfläche bebte. Meine Vulkane sprühten hoch heraus. Oops, beinahe rutschte das Silberdings in eine gerade durch das Beben entstandene Spalte.
Etwas Beruhigung tat Not. Sonst wäre mein Fund doch wieder zerstört worden. Das durfte auf keinen Fall geschehen, denn es war zu interessant für mich. Mein Nachbar der Planet XENOS IV hatte mir einmal erzählt , dass ihm die Andromeda-Zentralsonne erzählt hatte, dass es da in einigen Lichtjahren Entfernung einen Planeten geben soll, einen blauen Planeten, auf dem so genannte Lebewesen wohnen. Ich hatte das immer für Übertreibung gehalten. Als Erfindung irgendeines phantasierenden überhitzten Roten Riesen, der kurz vor der Supernova stand, habe ich das gehalten. Aber oh große Freude, es gibt Lebewesen. Sie sind sehr, sehr klein, um nicht zu sagen winzig. Auf zwei Beinen dahin hüpfende (wegen meiner schwache Schwerkraft) Dingelchen. Angeblich soll es sogar Wesen geben, die eine Art Bewusstsein entwickelt haben, ein primitives zwar, aber doch, wenn sich diese Winzlinge durchs Weltall bewegen konnten, müssen sie ein bisschen intelligent sein, dachte ich.
Ich stellte meine Wahrnehmung auf die Ganglienwindungen der Wesen ein, um etwas über sie zu erfahren. „Hallo Scotty, wie schauts aus mit den Maschinen, bringst Du sie wieder in Gang.“ „Kapitän J.T.K: die sind alle im Arsch, sorry, aber ich bin sehr sauer!“ Was meinten die denn da ? So seltsame Bewusstseinsschwingungen hatte ich vorher noch nie wahrgenommen. „Ok Scotty, beam me in.“ Wow, jetzt hat sich der kleine Grashüpfer („Woher hab ich denn dieses Wort?“) in die Atmosphäre aufgelöst und ist verschwunden. „Hey Kapitän JTK. Ich könnte uns mit der guten alten Detonationsmethode in den Raum zurück katapultieren, um diesen gottverlassenen Planeten zu verlassen. Im Schwebezustand im All habe ich dann genug Zeit, die Maschinen zu reparieren!“ „OK Scotty, mach alles klar. Alarmstufe Rot, wir katapultieren gleich. Alle Mann auf den Boden legen.“
Wen meint denn der mit gottverlassenen Planeten, und was ist denn eine Detonationsmethode. Zehn Millisekunden später wusste ich es. Es knallte fürchterlich. Dann blitzte das Silberdings mit einem riesigem Feuerball am Hintern gegen Weltraum davon. So wie es gekommen war, verschwand es auch wieder. Ich konnte nur noch in ca. 1000 Lichtsekunden ein kleines glänzendes Pünktchen erkennen. Vor lauter Schreck hatte ich ganz übersehen, dass da ein riesiges Loch entstanden ist, wo vorher das Dings war. Sehr, sehr viel Arbeit Ich arbeite noch heute dran. Aber an die kleinen Grashüpfer (schon wieder dieses Wort) erinnere ich mich, als ob es erst gestern gewesen wäre. Einerseits schade, dass sie so schnell wieder abgezischt sind, wir wären vielleicht noch gute Freunde geworden, aber wer weiß. Mein Nachbar hat mir erzählt, dass es Planeten gab, die an solchen Lebewesen zugrunde gegangen sind.
Vielleicht hatte ich ja großes Glück.
Robert
UseRoseS - Natur-Leben-Kunst
Ulrike und Robert Selberherr
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